Rothschilds Raben

Fröhlich war die Kindheit der französischen Schriftstellerin und Filmproduzentin Nathalie Rheims, 53, offenbar nicht.

In ihrem neuen Roman 'Laisser les cendres s'envoler' (etwa: 'Die Asche verwehen lassen') rechnet sie kaum verklausuliert mit ihrer vor zehn Jahren verstorbenen Mutter ab, einer Nachkommin von Mayer Amschel Rothschild, dem Stammvater der berühmten Bankiersfamilie. Die späte Anklage gegen die Rabenmutter, die Nathalie Rheims als junges Mädchen wegen eines Liebhabers im Stich gelassen hat, enthält intime Einblicke in die Rothschild- Dynastie und deutet Familiengeheim - nisse an.

Das Raben-Thema begleitet Rheims offenbar schon länger. Als Schaufensterdekoration in der Pariser Buchhandlung Galignani hing bis vor kurzem ein theatralisches Fotokunstwerk von Gérard Rancinan, das Rheims' Werk bestens illustriert: Die Autorin posiert zwischen unheimlichen Rabenvögeln, Pech flieÉt dahin, das Ganze hat eine alptraumhafte Anmutung ' und stammt aus dem Jahr 2006. Als 'Selbsttherapie' will Rheims ihren Roman jedoch nicht verstanden wissen. Mit dem nötigen zeitlichen Abstand sei nun einfach der Moment gekommen, das Thema aufzuarbeiten, sagt sie.

Petra Truckendanner, le 22 octobre 2012.